Sichtbetonklassen SB1 bis SB4: was tatsächlich gefordert ist

Sichtbeton wird über Klassen ausgeschrieben. Das DBV-Merkblatt Sichtbeton des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins beschreibt vier Stufen, denen jeweils Anforderungen an Porigkeit, Farbtongleichmäßigkeit, Ebenheit, Arbeits- und Schalhautfugen sowie an die Schalhaut selbst zugeordnet sind:

  • SB1 für Flächen mit geringen gestalterischen Anforderungen, etwa Kellerwände oder Bereiche ohne dauerhaften Publikumsverkehr
  • SB2 für normale Anforderungen, beispielsweise Treppenhäuser und Stützwände
  • SB3 für hohe Anforderungen an Ansichtsflächen im Hochbau
  • SB4 für besonders hohe Anforderungen an repräsentative Bauteile

Der praktisch wichtigste Punkt: Ob eine Abweichung ein Mangel ist, ergibt sich nicht aus dem Augenschein, sondern aus der vereinbarten Klasse. Eine Porigkeit, die bei SB2 völlig unauffällig bleibt, kann bei SB4 zur Beanstandung führen. Der erste Schritt ist deshalb immer, die Ausschreibung zu lesen – nicht die Fläche.

Warum SB4 ohne Betonkosmetik kaum erreichbar ist

In der Fachwelt gilt weitgehend als anerkannt, dass sich die höchste Klasse SB4 in der Praxis kaum ohne kosmetische Nacharbeit erreichen lässt. Die Anforderungen an Farbtongleichmäßigkeit und Porigkeit liegen so hoch, dass selbst sorgfältig geplante und ausgeführte Betonagen Abweichungen zeigen – durch Chargenwechsel, Witterung während der Nachbehandlung oder unterschiedliches Saugverhalten der Schalhaut.

Für Sie als Planer oder Generalunternehmer heißt das: Wenn SB4 ausgeschrieben ist, sollte die Sichtbetonkosmetik von Anfang an im Bauzeitenplan und in der Kalkulation stehen, nicht erst als Reaktion auf eine Mängelrüge. Das ist der günstigere Weg, weil sich Erprobungsflächen dann in Ruhe anlegen lassen und nicht unter Terminfeuer.

Der Maßstab: DBV-Merkblatt Sichtbeton und DIN 18217

Neben dem DBV-Merkblatt ist die DIN 18217 einschlägig, die Betonflächen im Zusammenhang mit der Schalungshaut behandelt. Für die Instandsetzungsanteile gilt die Normenreihe DIN EN 1504, für Reprofiliermörtel im Besonderen die DIN EN 1504-3.

Aus diesen Regelwerken ergibt sich auch der Beurteilungsmaßstab, und der wird in der Praxis am häufigsten missverstanden: Bewertet wird aus dem üblichen Betrachtungsabstand, bei diffusem Tageslicht und an der trockenen Fläche. Nicht mit Streiflicht, nicht aus zwanzig Zentimetern und nicht direkt nach Regen. Wir halten diesen Maßstab vor Ausführungsbeginn schriftlich fest – das entschärft die meisten Abnahmediskussionen, bevor sie entstehen.

Mängelrüge, Bedenkenanmeldung und der Weg zur Abnahme

Wenn eine Sichtbetonfläche beanstandet wird, geht es selten nur um Technik. Es geht um Termine, um Zahlungen und um die Frage, wer die Abweichung zu vertreten hat.

Wo wir als ausführender Betrieb erkennen, dass eine geforderte Ausführung zu Problemen führen wird – etwa eine Schalhaut, die den geforderten Farbton nicht hergeben kann –, melden wir Bedenken schriftlich an, wie es die VOB/B in § 4 Abs. 3 vorsieht. Das ist keine Förmelei, sondern der einzige Weg, hinterher nicht für ein Ergebnis einzustehen, das unter den gegebenen Vorgaben nicht erreichbar war.

Umgekehrt unterstützen wir Auftraggeber dabei, eine Beanstandung technisch einzuordnen: Was davon ist nach der vereinbarten Klasse tatsächlich ein Mangel, was ist eine zulässige Abweichung, und was lässt sich mit welchem Aufwand beheben?

Merkantiler Minderwert: warum Nachbessern meist günstiger ist als Minderung

Bleibt an einem Bauwerk eine sichtbare Abweichung bestehen, kommt regelmäßig die Frage nach einer Minderung auf. Neben dem technischen Aufwand steht dabei der merkantile Minderwert im Raum – die Wertminderung, die allein daraus entsteht, dass ein Mangel bekannt ist, auch wenn er behoben wurde.

Genau deshalb rechnet sich Sichtbetonkosmetik in den meisten Fällen: Eine fachgerechte Korrektur ist fast immer günstiger als eine Minderung, ein Rückbau oder ein Rechtsstreit über die Bewertung. Und sie ist die nachhaltigere Lösung, weil kein tragfähiges Bauteil abgebrochen wird.

Die Erprobungsfläche ist der beste Streitvermeider

Wir legen bei jedem Sichtbetonprojekt eine Erprobungsfläche an: einen abgegrenzten Bereich, an dem Farbton, Struktur, Porenbild und Glanzgrad eingestellt und von allen Beteiligten freigegeben werden. Die Fläche bleibt bis zur Abnahme als Referenz stehen und wird zur vertraglichen Grundlage.

Der Aufwand dafür ist überschaubar. Der Nutzen ist es nicht: Nahezu jeder ernsthafte Streit über Sichtbetonflächen, den wir erlebt haben, wäre mit einer freigegebenen Erprobungsfläche nicht entstanden.

Unser Ablauf bei Abnahmedruck

Wenn der Abnahmetermin steht und die Fläche nicht, planen wir rückwärts. Zuerst die Bestandsaufnahme mit klarer Trennung zwischen zulässiger Abweichung und Mangel. Dann die Erprobungsfläche, so früh wie möglich, weil sie Trockenzeiten braucht. Dann die Ausführung in Abschnitten, damit freigegebene Bereiche schon abgenommen werden können, während wir weiterarbeiten.

Auf Anfragen reagieren wir innerhalb von 48 Stunden. Was sich realistisch bis wann schaffen lässt, sagen wir Ihnen beim ersten Termin – auch dann, wenn die Antwort unbequem ist.

Was Sichtbetonkosmetik kostet

Der Preis folgt der geforderten Klasse. Für SB1 und SB2 genügt in der Regel das Schließen einzelner Fehlstellen mit grobem Farbabgleich. SB3 und besonders SB4 verlangen mehrlagigen Farbaufbau, Angleich des Saugverhaltens und deutlich mehr Zeit in der Beurteilung. Dazu kommen Zugänglichkeit, Flächengröße, Zustand des Bestands und Termindruck.

Quadratmeterpreise ohne Besichtigung wären geraten, deshalb nennen wir keine. Nach der Begutachtung erhalten Sie ein Festpreisangebot, die Erstberatung ist kostenlos.

Für Architekten, Generalunternehmer und Bauherren

Wir sind ein meistergeführter Familienbetrieb aus Dortmund, seit dem Jahr 2000 im Betonbau und bundesweit im Einsatz. Neben der Sichtbetonkosmetik führen wir Betonkosmetik im weiteren Sinne, Betonretusche und Hydrophobierung aus.

Schicken Sie uns die ausgeschriebene Sichtbetonklasse und Fotos der Flächen, dann bekommen Sie eine belastbare Einschätzung, was erreichbar ist: Angebot anfragen.