Betonretusche: Die Kunst der perfekten Sichtbeton-Oberfläche
Beton ist mehr als nur ein Baustoff. Er ist ein Gestaltungselement. Doch was passiert, wenn der Sichtbeton nach dem Ausschalen nicht perfekt ist? Hier kommt die Betonretusche ins Spiel.
Sichtbeton liegt im Trend. Architekten und Bauherren lieben die kühle, moderne Ästhetik. Aber Beton ist ein Naturprodukt. Das Ergebnis beim Gießen ist nie zu 100 Prozent vorhersehbar. Schnell entstehen Kiesnester, Verfärbungen, Gratbildungen oder unerwünschte Lunker. Das stört das Gesamtbild massiv. Ein Abriss ist meist keine Option – zu teuer, zu aufwendig.
Die Lösung ist die professionelle Betonretusche (oft auch Betonkosmetik genannt). Als Experten der Labau GmbH zeigen wir Ihnen in diesem umfassenden Guide, wie wir Betonoberflächen retten, veredeln und schützen. Erfahren Sie alles über Techniken, Kosten und warum Betonkosmetik echte Handwerkskunst ist.
Was ist Betonretusche eigentlich?
Die Betonretusche ist ein verfahrenstechnischer Eingriff in die Oberfläche von erhärtetem Beton. Ziel ist es, optische Mängel zu beseitigen, ohne den charakteristischen „Beton-Look“ zu zerstören. Es geht nicht darum, den Beton einfach anzumalen. Es geht darum, seine natürliche Optik wiederherzustellen oder zu perfektionieren.
Der Unterschied zwischen Retusche und Sanierung
Oft werden Begriffe durcheinandergeworfen. Wir müssen hier klar unterscheiden:
Betonsanierung: Hier steht die Statik und Substanz im Vordergrund. Es geht um den Schutz der Bewehrung vor Korrosion und die Wiederherstellung der Tragfähigkeit.
Betonretusche / Betonkosmetik: Hier steht die Ästhetik im Vordergrund. Die Funktion des Bauteils ist gegeben, aber die Optik entspricht nicht den Erwartungen oder der vereinbarten Sichtbetonklasse.
Warum ist Betonretusche notwendig?
Selbst bei sorgfältigster Planung können Fehler passieren. Beton ist „lebendig“. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Ergebnis:
Witterung: Zu heißes oder zu kaltes Wetter beim Gießen.
Schalung: Nicht dichte Schalungsstöße oder falsches Trennmittel.
Verdichtung: Zu wenig Rütteln führt zu Lunkern, zu viel Rütteln zu Entmischung.
Menschlicher Faktor: Fehler beim Einbringen des Betons.
Eine professionelle Betonretusche kann fast jeden optischen Mangel beheben, sodass er für das bloße Auge unsichtbar wird.
Die häufigsten Mängel im Sichtbeton (und wie wir sie lösen)
Wer mit Sichtbeton baut, kennt die Risiken. Auf Baustellen sehen wir täglich verschiedene Mangelerscheinungen. Hier ist eine Übersicht der Probleme, die wir bei der Labau GmbH regelmäßig durch Betonretusche beheben.
1. Kiesnester und Fehlstellen
Kiesnester entstehen, wenn der Feinmörtel nicht alle Hohlräume zwischen den Gesteinskörnungen ausfüllt. Das Ergebnis sind grobe, löchrige Stellen, an denen oft sogar die Eisenbewehrung sichtbar sein kann.
Das Problem: Es sieht unfertig aus und bietet Angriffsfläche für Feuchtigkeit.
Die Lösung: Die Fehlstellen werden gereinigt, mit speziellem Kosmetikmörtel (angepasst an die Kornstruktur und Farbe des Umgebungsbetons) reprofiliert und anschließend texturell angepasst.
2. Lunker und Poren
Lunker sind kleine Löcher an der Betonoberfläche. Sie entstehen durch eingeschlossene Luftblasen, die beim Verdichten nicht entweichen konnten.
Das Problem: Vereinzelte Lunker sind bei Sichtbeton normal. Treten sie aber gehäuft auf (Porenbildung), wirkt die Fläche unruhig („Schweizer Käse“).
Die Lösung: Wir schließen diese Poren durch eine Porenspachtelung. Wichtig ist hierbei, nicht die gesamte Fläche „totzuspachteln“, sondern gezielt zu arbeiten, um die Betonhaptik zu erhalten.
3. Schalungsstöße und Gratbildung
Wenn die Schalungselemente nicht millimetergenau aneinanderpassen, läuft Zementleim aus. Es entstehen Grate (überstehende Kanten) oder Versätze (Kanten zwischen zwei Flächen).
Das Problem: Diese Kanten stören die Geometrie und den Schattenwurf der Architektur.
Die Lösung: Mechanisches Abschleifen der Grate und anschließende optische Angleichung durch Retusche, damit keine Schleifspuren sichtbar bleiben.
4. Farbabweichungen und Wolkenbildung
Beton ist selten homogen grau. Unterschiedliche Chargen, Feuchtigkeitsschwankungen in der Schalung oder ungleichmäßiges Austrocknen führen zu „Wolken“ oder fleckigen Verfärbungen.
Das Problem: Die Wand wirkt schmutzig oder unruhig.
Die Lösung: Hier kommt die Betonlasur zum Einsatz. Mit semitransparenten Lasuren gleichen wir die Farbtöne an, ohne die Struktur zuzudecken.
5. Rostfahnen und Ausblühungen
Wenn Abstandhalter rosten oder Kalk aus dem Beton austritt (Ausblühung), entstehen hässliche Laufspuren.
Das Problem: Es sieht aus wie ein Bauschaden und wirkt vernachlässigt.
Die Lösung: Chemische Reinigung und anschließende Retusche der betroffenen Stellen.
Die Sichtbetonklassen (SBK) verstehen
Um zu wissen, wann eine Betonretusche nötig ist, muss man die Anforderungen kennen. In Deutschland regelt das Merkblatt des DBV (Deutscher Beton- und Bautechnik-Verein) die Sichtbetonklassen.
Wir arbeiten bei der Labau GmbH strikt nach diesen Vorgaben, um Ihre gewünschte Klasse zu erreichen.
SBK 1: Geringe Anforderungen
Hierbei handelt es sich meist um Kellerwände oder Bereiche, die später verkleidet werden.
Optik: Grobe Strukturen und Poren sind erlaubt.
Retusche: Meist nicht notwendig, außer bei groben statischen Mängeln.
SBK 2: Normale Anforderungen
Der Standard für Treppenhäuser, Tiefgaragen oder Stützwände im Außenbereich.
Optik: Die Fläche soll gleichmäßig sein, aber Arbeitsfugen dürfen sichtbar bleiben.
Retusche: Oft notwendig, um Kiesnester zu schließen und grobe Grate zu entfernen.
SBK 3: Hohe Anforderungen
Dies ist der Standard für Fassaden und repräsentative Innenwände in Wohnungen oder Büros.
Optik: Die Porigkeit muss gering sein, die Farbe weitgehend homogen. Schalungsstöße müssen sauber sein.
Retusche: Hier ist fast immer eine kosmetische Nachbearbeitung nötig, um das geforderte Niveau zu erreichen (z.B. Porenverschluss, Farbangleichung).
SBK 4: Besonders hohe Anforderungen
Die „Königsklasse“. Repräsentative Bauteile in Museen, Villen oder Foyers.
Optik: Perfektion. Einheitliche Farbe, kaum Poren, exakte Fugen.
Retusche: Ohne professionelle Betonkosmetik ist SBK 4 bautechnisch kaum herzustellen. Wir veredeln diese Flächen, bis sie wie aus einem Guss wirken.
Experten-Tipp: Vereinbaren Sie die Sichtbetonklasse vor Baubeginn vertraglich. Wenn das Ergebnis abweicht, ist die Betonretusche der Weg, um den vertraglich geschuldeten Zustand herzustellen, ohne abzureißen.
Das Verfahren: Wie wir bei der Betonretusche vorgehen
Viele Kunden fragen uns: „Wie macht ihr das eigentlich, dass man nichts mehr sieht?“ Das Geheimnis liegt in der Kombination aus handwerklichem Geschick und künstlerischem Auge. Es ist mehr Malerei als Maurerei.
Hier ist unser bewährter Ablauf bei der Labau GmbH:
Schritt 1: Bestandsaufnahme und Musterfläche
Bevor wir loslegen, analysieren wir den Beton.
Welcher Zement wurde verwendet?
Welche Körnung hat der Zuschlag?
Welches Schalungsbild ist gewünscht?
Wir legen oft eine Musterfläche (Referenzfläche) an. Dort zeigen wir dem Architekten oder Bauherrn, wie das Ergebnis der Retusche aussehen wird. Das schafft Sicherheit.
Schritt 2: Untergrundvorbereitung
Eine Retusche hält nur auf sauberem Grund. Wir entfernen:
Schalölreste
Staub und Schmutz
Lose Teile
Grate werden abgeschliffen (egalisiert). Falls nötig, wird die Fläche gestrahlt oder geschliffen, um eine griffige Oberfläche für die Reprofilierung zu schaffen.
Schritt 3: Die Reprofilierung (Die Form)
Jetzt geht es an die Substanz. Tiefe Löcher, Ausbrüche und Kiesnester werden mit einem speziellen kosmetischen Mörtel gefüllt.
Wichtig: Der Mörtel muss in Härte und Saugfähigkeit dem Originalbeton entsprechen.
Wir modellieren Kanten und Ecken nach, bis die Geometrie des Bauteils wieder perfekt ist.
Schritt 4: Die optische Retusche (Die Farbe)
Das ist der künstlerische Teil. Auch wenn das Loch gefüllt ist, sieht man oft noch einen Farbunterschied (der „Flicken“-Effekt). Um das zu beheben, nutzen wir verschiedene Techniken:
Punktretusche: Wir imitieren die Textur des Betons auf der reparierten Stelle. Wir tupfen verschiedene Grautöne, um die „Körnung“ optisch nachzubilden.
Lasurtechnik: Ist die ganze Wand scheckig, tragen wir eine hochverdünnte Mineral-Lasur auf. Sie legt sich wie ein Schleier über den Beton. Der Charakter bleibt, aber die Flecken verschwinden.
Schritt 5: Finish und Schutz
Zum Abschluss kann der Beton geschützt werden (Hydrophobierung). Das macht ihn wasserabweisend und schützt vor neuer Verschmutzung – besonders wichtig bei Fassaden.

